Ist 2012 das Jahr, in dem Finanzinstitute es mit Verordnungen Ernst meinen?

Von: Uwe Dünnebier - 02/02/2012

Uwe Dünnebier verantwortet bei Colt Technology Service GmbH den Bereich Business Development Financial Sector in der Region D-A-CH. Nach 11 Jahren Praxiserfahrung und einer Vielzahl an IT- und Infrastruktur-Projekten für die Finanzwirtschaft, beobachtet er die technologischen Entwicklungen an den europäischen Börsenplätzen, im Besonderen als einer der wesentlichen Proximity-Partnern der Deutschen Börse, SIX und LSE.

  • Gefällt mir
  • Close

Rückblickend scheint es, als wäre 2011 das Jahr gewesen, in dem die Regulierungsbehörden ihre Stärke unter Beweis stellten. Die Krönung war eine Geldstrafe in Rekordhöhe von 6 Mio. £, die von der FSA wegen Marktmissbrauch an einen privaten Investor verhängt wurde. Es bleibt jedoch die Frage, ob die Finanzinstitute die Quintessenz daraus wirklich verstanden haben.

Die derzeitige rasante Handelskultur führt zweifellos dazu, dass die produkt- und marktübergreifenden Handelsvolumen eine andauernde Debatte darüber in Gang setzen, wie Verordnungen in der Branche im Jahr 2012 aussehen werden. Da es derzeit keine Anzeichen für einen Rückgang des Handelsvolumens gibt, werden die Regulierungsbehörden sicherlich weiterhin ein wachsames Auge auf alle Finanzinstitute haben, die im Verdacht stehen, die Märkte zu manipulieren. In diesem Jahr haben es einige Finanzinstitute versäumt, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um mit den gesetzlichen Änderungen auf dem Markt Schritt halten zu können – trotz der hohen Geldstrafen, die dafür verhängt werden. Die CME Gruppe verhängte diese Woche z. B. eine Geldstrafe in Höhe von 850.000 $ an ein Handelsunternehmen für einen außer Kontrolle geratenen Algorithmus, der dazu führte, dass innerhalb kürzester Zeit eine Vielzahl an Termingeschäften im Erdölbereich getätigt wurden.

Vor dem Hintergrund besonders eklatanter Fälle und Geldstrafen in Rekordhöhe sind die meisten führenden Investment-Banken, Börsen und Broker-Unternehmen bereits bemüht, Maßnahmen umzusetzen, um die geplanten Verordnungen, z. B. der Dodd-Frank Act in den USA oder die vor Kurzem in Kraft getretene Finanzmarktverordnung in der EU (Financial Instruments Regulation, MiFIR), einzuhalten. Nach dem MiFID wird ab 2013 eine weitere MiFIR Finanzmarktverordnung in Kraft treten. Entscheidend ist, dass es sich dabei um eine „Verordnung“ und nicht um eine „Richtlinie“ für Finanzinstitute (wie MiFID) handelt.  Trotz der langen Vorlaufzeit bis zum Inkrafttreten werden alle Finanzinstitute mindestens ein Jahr benötigen, um deren Handelsstrategien anzupassen. Das bedeutet wiederum, dass die Anpassung nun Priorität haben muss.

Der wachsende Wettbewerb bei Handel und Clearing wird einen neuen Auftrieb erhalten, wenn MiFIR in Kraft tritt – insbesondere auf dem Aktienmarkt, der nach dem Einstieg diverser neuer Handelsplattformen fragmentierte.  Ein wachsender Wettbewerb zur Schaffung einer Marktinfrastruktur steigert den Bedarf an einer einheitlichen Verordnung bei verschiedenen Anbietern und der Einhaltung der Handelsnormen in diesem fragmentierten Umfeld.

Durch neue Verordnungen wie MiFIR werden Unternehmen dazu gezwungen, mit exotischen Produkten wie Interest Rate Swaps (IRS) und Collateralised Debt Obligations (CDO) in neuen Börsen zu handeln, die mehr Transparenz und Reporting erfordern. Dies steht noch vor der Veröffentlichung neuer Kurse und Reportings von den Börsen. Solche Verordnungen führen dazu, dass im Jahr 2012 noch mehr Marktdaten in den weltweiten Finanzmärkten verfügbar sein werden. Parallel dazu versuchen die führenden Finanzinstitute, den Anschluss an neue Märkte zu optimieren, um die Latenz bei Transaktionen zu minimieren. Folglich ist der Bedarf an einer erhöhten Marktanbindung an neue Börsen zwingend notwendig.

Insgesamt lässt sich sagen, dass die erhöhten Geldstrafen, die von den Regulierungsbehörden verhängt wurden, sich in diesem Jahr positiv auf die Markttransparenz ausgewirkt haben und dass dies Handelsunternehmen nicht davon abhalten wird, neue Geschäftsideen zu finden.  Für das Jahr 2012 gilt, dass sowohl Finanzinstitute als auch Regulierungsbehörden die Festlegung klarer Regelungen und eine bessere Anbindung an neue Märkte anstreben sollten.


Kein Kommentar 'Ist 2012 das Jahr, in dem Finanzinstitute es mit Verordnungen Ernst meinen?' Erster Kommentar


Fügen Sie Ihren Kommentar hinzu
Schließen

Allgemeine Geschäftsbedingungen Senden

Please choose your country