CIO und CMO – Arbeit im Paralleluniversum


Anfang des Jahres habe ich mich in diesem Post noch gefragt, ob der runde Tisch im Unternehmen weiterhin groß genug für einen CIO und einen CMO, also separate IT- und Marketingfunktionen, ist und wie sich die Situation bis Ende des Jahres entwickeln wird.

In der Zwischenzeit wurde viel über das Thema geschrieben und spekuliert. Da wurde der CMO bereits für tot erklärt (was ich definitiv nicht bestätigen kann!) oder überlegt, wie die beiden Funktionen besser kooperieren oder gar miteinander verschmelzen könnten.

Ich treffe und unterhalte mich regelmäßig mit CIOs und CMOs europäischer Unternehmen. Aus meiner Perspektive haben beide Funktionen sehr viel gemeinsam. Sie sind wichtige interne Dienstleister und Treiber für den Wandel.

Ein Trend, den ich bei CIOs beobachte ist: Sie werden zunehmend service-orientiert. Eine neue Generation von IT-Leitern fokussiert sich weniger auf die Beschaffung von IT und mehr darauf, wie IT am besten zum Unternehmenserfolg beitragen kann. Sie richten ihre Teams darauf aus, den Fachabteilungen und internen Kunden moderne, wettbewerbsfähige IT-Lösungen zu bieten, damit sie sich erst gar nicht erst nach externen Plattformen umsehen.

Bei CMOs gibt es einen ähnlichen Trend. Auch sie werden zunehmend Dienstleister für das gesamte Unternehmen. So haben Sie heute deutlich mehr Vertriebsaufgaben und sorgen für bessere Aufmerksamkeit und qualifiziertere Anfragen. Bei Colt unterstützen das Marketing zum Beispiel auch häufig bei Ausschreibungen oder beim Großkundenvertrieb.

In Gesprächen mit Kunden höre ich immer wieder heraus, dass ein CIO, der sich nicht nur als Infrastrukturanbieter sondern als Dienstleister positioniert, ganz klar profitiert. Ein Kunde zum Beispiel hat seine IT-Abteilung in ein internes Service-Center verwandelt und sein Team von 50 auf 200 Mitarbeiter vergrößern können. Von seinem gestiegenen Einfluss in der Chefetage ganz zu schweigen.

Mit diesem Szenario ändert sich aber auch das Anforderungsprofil an Mitarbeiter. Hier werden weniger die klassischen „Strippenzieher“ und „IT-Bastler“ gebraucht, sondern IT-Experten mit Blick für das Geschäftliche. Sie müssen in der Lage sein, wirtschaftlichen Herausforderungen mit der richtigen Technologie zu begegnen und einen echten Mehrwert zu schaffen.

Auch hier sehe ich Parallelen zum CMO. Ursprünglich war das Marketing als Kommunikationsaufgabe auf das „Senden“ von Botschaften, Informationen und Nachrichten fokussiert. Heute gehört es auch zu unseren Aufgaben das Verständnis für die Kunden im gesamten Unternehmen verbessern, indem wir verstärkt Zuhören und in intern diskutieren, wie wir an allen Berührungspunkten die Beziehung zu Kunden vertiefen können. Das verändert die Herangehensweise an Marketingkampagnen und erfordert neue Expertise und neue technologische Infrastrukturen.

Eine engere Kooperation zwischen CMO und CIO ist hier sehr sinnvoll und keineswegs eine „Zwangsehe“, wie einige meinen. Es gibt so viele Gemeinsamkeiten, die Gartner-Analystin Jennifer Beck hier sehr treffend aufgelistet hat. Besonders gefällt mir der Punkt, dass sowohl IT als auch Marketing, Opfer des selbsternannten Expertentums sind. In diesen Bereichen kann mitreden, hat jeder eine Meinung und Erfahrungen. Was die Arbeit nicht unbedingt erleichtert.

Allerdings sehe ich die Beziehung zwischen CIO und CMO noch etwas anders. Ich glaube, wir brauchen ein Dreieck aus Marketing-, IT- und Vertriebsleitung. Die Beziehung zwischen IT und Vertrieb ist wichtig, weil die zunehmende Nutzung von Collaboration Tools oder der Zugriff auf Echtzeit-Kundendaten und sensible Dokumente zu jeder Zeit und von überall, den Vertrieb zu einem wichtigen internen Kunden der IT macht. Schatten-IT ist im Vertrieb genauso weit verbreitet wie im Marketing. Man denke nur beispielsweise an Plattformen wie Salesforce.
Marketing Technologe…

Der Erfolg meines Teams hängt von der Benutzerfreundlichkeit unserer Marketing-Technologie ab. Welche Tools für unsere Ziele am besten geeignet sind, wissen wir aber selbst am besten. Vom CIO erwarte ich lediglich, dass er mit unserem Arbeitstempo mitgeht und als Dienstleister dort hilft, wo er gebraucht wird, um gemeinsam ein Ziel zu erreichen. Nur damit kann die IT sicherstellen, dass das Marketing und andere Fachbereiche nicht auf die Idee kommen, die IT-Abteilung zu umgehen und Dienste woanders einkaufen – womöglich mit der Firmenkreditkarte.

Noch gibt es also wirklich ein Paralleluniversum, aber ich freue mich sehr darauf, zu sehen, wie sich die Beziehung zwischen CIO und CMO weiter vertieft.

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Logismata

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