Finanzen in der Cloud


Weg von ‚niemals‘ hin zu ‚wie können wir es machen‘: Finanzunternehmen verändern ihre Einstellung gegenüber der Cloud. Das liegt auch daran, dass in vielen Fällen die Public Cloud inzwischen sicherer ist als eigene Systeme. Trotzdem sollten nicht alle Funktionen in die Cloud ausgelagert werden.

Laut einer Bitkom-Studie haben im vergangenen Jahr 65 Prozent der deutschen Unternehmen Cloud Computing eingesetzt, Tendenz steigend. Das gilt nicht für die Finanzbranche. Zwar kommen dort auch Cloud-Lösungen zum Einsatz, meist handelt es sich aber um On-Premise-Lösungen aus eigenen Rechenzentren. Laut einer aktuellen Celent-Untersuchung setzten im vergangenen Jahr nur 0,5 Prozent der befragten Finanzunternehmen auf Public Clouds und 2,5 Prozent auf Hybrid Clouds. Ein Grund für diese Zahlen sind die Sicherheitsbedenken der Verantwortlichen. Finanzinstitute müssen zahlreiche gesetzliche Compliance- und Governance-Richtlinien einhalten. Sie unterliegen strengen Regulierungsvorschriften und müssen Daten- und Vertragssicherheit gewährleisten.

Neue Flexibilität
Doch allmählich schwinden in der Finanzindustrie die Vorbehalte gegenüber der Cloud. Ursache dafür, sind vor allem vier Faktoren: die Zunahme der Regulierung durch MiFID II und Dodd-Frank, ein steigender Kostendruck, makroökonomische Unsicherheiten durch den Brexit und der Aufstieg der Fintechs. Die Cloud ist eine Antwort auf diese vier Herausforderungen. Sie macht die Infrastruktur von Unternehmen agiler. Dadurch können Unternehmen einfacher mit neuen regulatorischen Anforderungen umgehen, sich schnell mit vielen Liquiditätsquellen verbinden und flexibel auf neue Marktanforderungen reagieren. Die Verantwortlichen stellen sich nicht mehr die Frage, ob man der Cloud überhaupt trauen kann, sondern wie man mit der Cloud allen regulatorischen Anforderungen entspricht. Diese veränderte Einstellung schlägt sich in den Zahlen nieder. Laut Celent werden 2021 etwa 7 Prozent der Finanzdienstleister die Public Cloud nutzen und 17 Prozent die Hybrid Cloud. Das entspricht bei der Public Cloud einer Zunahme von 1.300 Prozent und bei der Hybrid Cloud einer Zunahme von 580 Prozent gegenüber 2016. Besonders Firmen auf der Käuferseite sind gegenüber Service-basierten Modellen aufgeschlossen. Sie nutzen für die meisten Systeme gehostete Lösungen, auch für das Handelsmanagement. Hedgefonds möchten schnell Einblicke gewinnen, dies macht ein Cloud-Modell für sie attraktiv. Firmen auf der Verkäuferseite tendieren stärker dazu, ihre Systeme unter Kontrolle zu halten. Doch auch sie sind an Lösungen interessiert, die bessere Distributionsmodelle und variablere Kosten ermöglichen.

Konzentration auf das Kerngeschäft
Eurokrise, Brexit, Umstrukturierungen und Fintechs erhöhen den Druck auf traditionelle Finanzunternehmen. Das zwingt sie, sich auf ihre Kernkompetenzen zu konzentrieren und Technologie an Cloud-, Netzwerk-, Software- und Hardwarespezialisten auszulagern. In Zukunft wächst zwar wie erwähnt der Anteil der Cloud-Lösungen im Finanzsektor, aber nicht alle Prozesse werden gleich schnell in die Cloud verlagert. Während Daten, die nicht unternehmenskritisch oder proprietär sind, eher in eine Cloud-Umgebung gebracht werden, geschieht dies mit kundenbezogenen Funktionen und Informationen noch seltener. Vergleichsweise schnell wandern wahrscheinlich die Bereiche Historical Market Data, Risk and Control sowie Order Management System (OMS) und Execution Management System (EMS) in die Cloud – teilweise sind sie sogar schon in die Cloud umgezogen. Mittelfristig werden die Bereiche Trade Surveillance, Trade Confirmation, Trade Data, Research und Analytics sowie Regulatory Reporting in die Cloud verlagert. Bis auch unternehmenskritische Bereiche wie Matching Engine oder Collateral Management in die Cloud wandern, wird es wohl noch dauern – vielleicht wird das sogar nie passieren, schließlich handelt es sich hierbei zentrale Bereiche des Unternehmens. Der Umzug in die Cloud erhöht nicht nur die Flexibilität, sondern ermöglicht auch ganz neue Angebote. Ein Stichwort hierfür lautet Artificial-intelligence-as-a-Service. Künstliche neuronale Netze könnten sich zum Beispiel selbst beibringen, Unternehmensdaten zu analysieren und daraus Vorhersagen entwickeln.

Eine entscheidende Rolle spielt neben der Cloud selbst auch der Zugriff darauf. Über das öffentliche Internet ist ein Zugang unsicher. Ein privater, dedizierter Zugang ist für Finanzdienstleister fast immer besser geeignet. Er bietet höhere Geschwindigkeiten, weniger Latenz sowie bessere Performance und mehr Sicherheit. Noch besser sind Financial Extranets. Sie sind speziell für Kapitalmärkte ausgelegt und bewältigen Lastspitzen und wachsende Datenmengen problemlos. Darüber hinaus bieten sie eine leistungsfähige, skalierbare, transparente Infrastruktur mit geringer Latenz. Financial Extranets vereinfachen den Zugriff auf Mehrwertdienste aus der Cloud wie Marktdaten, regulatorische Lösungen und Analysen. Sie verbinden Börsen und Anbieter von Informationen mit zehntausenden Kapitalmarktanbietern weltweit.

Speziallösungen für die Finanzbranche
Wer sich für ein Financial Extranet interessiert, sollte darauf achten, dass dieses eine garantierte deterministische Latenz aufweist, denn Handelssysteme können eine schwankende Latenz nur schwer verarbeiten. Ein weiterer Vorteil gegenüber einzelnen Punkt-zu-Punkt-Verbindungen ist die Kostenersparnis. Ohne Financial Extranet benötigen Finanzinstitute zu jeder Börse, an der sie aktiv sind, eine eigene Verbindung. Sind sie an ein Financial Extranet angeschlossen, sind sie automatisch mit allen Börsen verbunden, die an das Financial Extranet angeschlossen sind. Und nicht nur damit, sondern auch mit allen anderen Dienstleistern, die das Financial Extranet nutzen. Dadurch ergeben sich Synergieeffekte. Denn jedes angeschlossene Unternehmen ist nicht nur Konsument, sondern auch Produzent und kann seine Dienstleistungen über das Extranet anbieten. Professionelle Extranet-Betreiber helfen ihren Kunden dabei, zueinander zu finden. Sie stellen zum Beispiel ein Portal zur Verfügung, mit dem man alle angeschlossenen Unternehmen und Services durchsuchen kann. Idealerweise stellen sie in dem Portal auch weitere Informationen zur Verfügung, zum Beispiel über die aktuelle Latenz und Bandbreite und ob diese mit den vereinbarten Service-Level-Agreements (SLAs) übereinstimmen. Apropos SLAs: Im Idealfall ist der Betreiber des Financial Extranets der Inhaber der Leitungen. Dadurch hat er die volle Kontrolle über das Netz und kann eventuelle Störungen schnell und unkompliziert selbst beheben.

Fazit: Aus Bankgebäuden werden – metaphorisch gesprochen – schon bald Wolkenkratzer. Nach und nach setzen Finanzunternehmen immer mehr auf die Cloud. Das ermöglicht ihnen eine neue Flexibilität und eröffnet ihnen neue Marktchancen – vor allem, wenn sie spezielle Angebote für die Branche nutzen, zum Beispiel Financial Extranets.

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